Marienkapelle „Jungfrau der Armen“ in Tüddern

Marienkapelle „Jungfrau der Armen“ am Wald

Dank an die Gottesmutter

Diese Kapelle wurde als Dank an die Gottesmutter für den in den Jahren 1951/1952 von der KAB Selfkant (Katholische Arbeitnehmer-Bewegung) in Tüddern durchgeführten Wohnungsbau errichtet. In dieser Zeit war die Wohnungsnot im Selfkant besonders groß, da durch Kriegseinwirkungen ein erheblicher Teil des vorhandenen Wohnraums zerstört war. Besonders kinderreiche Familien hatten unter dieser Wohnungsnot schwer zu leiden.

Marienkapelle

 

Entstehung der Kapelle

Zunächst wurde ein Sockel aus gelben Backsteinen errichtet, auf dem die aus Banneux (Belgien) stammende Marien-Statue am 9. Mai 1959 ihren Platz fand. Verehrer der Gottesmutter hatten den günstig gelegenen Platz am Tüdderner Wald zur Verfügung gestellt. Nach und nach eingehende Geldspenden aus allen Teilen des Selfkants ermöglichten bald den Kauf der zum Bau einer Kapelle notwendigen Materialien, so dass schon am 27. Dezember 1959 der Grundstein zum Bau der Gedenkstätte gelegt werden konnte. Durch die Arbeit der Mitglieder der KAB entstand nun in den folgenden Monaten das einfache, aber doch so anziehend wirkende Bauwerk aus gelben Backsteinen mit dem sanft geschwungenen, an betende Hände erinnernde Dach. Am 22. Januar 1962 weihte Pfarrer Josef Schnitzler die Kapelle der „Jungfrau der Armen“ ein. Da wegen der Sebastianus-Kirmes noch viele Besucher im Ort waren, beteiligten sich an diesem Montag viele an der Einsegnung. In seiner Ansprache wies Herr Pfarrer Schnitzler auf die Muttergottes-Erscheinungen in den letzten 100 Jahren hin und mahnte die Gläubigen, sie als eine Aufforderung zur Verinnerlichung und zum Gebet anzusehen. Den Abschluss der Feier bildete eine gemeinsame Andacht zu Ehren der in Banneux erschienenen „Jungfrau der Armen“.

Marienkapelle

 

 

Hintergrund und Antrieb der Erbauer

Um nochmal auf den eigentlichen Hintergrund und den Antrieb der KAB zum Bau der Gedenkstätte zurückzukommen, beschäftigte sich die Kirchenzeitung des Bistums Aachen in den frühen 1950er Jahren mit dem Problem der Wohnungsnot. „Baut Kirchen für die Gemeinden, aber Dome für die Arbeiter“, so mahnte sie. Dieser Satz wurde richtungsweisend für die KAB Selfkant und gab ihr den ersten Anstoß zur Selbsthilfe. Am 20. Januar 1951, dem 18. Jahrestag der Muttergotteserscheinung in Banneux, begab sich eine Abordnung der KAB zum Landdrost Dassen um ihn zur Mitarbeit zu gewinnen – mit Erfolg. Trotz erheblicher Anfangsschwierigkeiten konnte schon acht Wochen später die erste Versammlung der Bauwilligen einberufen werden, auf der man alle Einzelheiten des geplanten Bauvorhabens sorgfältig diskutierte und festlegte. Der inzwischen verstorbene Pfarrer Fuhs der Gemeinde Tüddern übernahm die Führung der Baukasse, in die jeder Bauwillige monatlich 50 Gulden einzahlte. Die Kirche stellte einen großen Teil des Baugeländes zur Verfügung und die feierliche Grundsteinlegung zu dem Wohnungsbauprojekt fand am 26. August 1951 statt.

Es ist unbestreitbar der Verdienst von Johann Jessen (im Volksmund Küke Jan), dass man mit dem Wohnungsbau beginnen konnte. Bereits am 11. November 1951 feierte man das Richtfest des ersten Hauses. Die erste Wohnung wurde 1952 bezogen und schon wenige Monate später wurde das erste Kind hier an der Jubiläumsstraße geboren.  Diesen Straßennamen hatte man bei der Grundsteinlegung dem früheren „Sandweg“ zur Erinnerung an das silberne Priesterjubiläum des Herrn Pfarrers Fuhs und das 50-jährige Bestehen der KAB gegeben. Heute ist aus diesen Anfängen ein neuer Ortsteil entstanden.  Insgesamt wurde durch die KAB Selfkant 53 Wohnungen gebaut. Mit welchem Optimismus damals mit dem Bau der ersten Häuser begonnen wurde, kann nur der ermessen, der selber gebaut hat. Wenn man berücksichtigt, mit welch geringem Barkapital man ans Werk ging, so kann man die die damalige Leistung nur bewundern.

 

 

Stilles Gelübde

Vor Beginn des Wohnungsbaues hatte sich die KAB Selfkant still gelobt, nach glücklicher Fertigstellung der Siedlungen eine Andachtsstätte zu Ehren der „Jungfrau der Armen“ zu errichten, was dann auch, wie wir heute wissen, eindrucksvoll in die Tat umgesetzt wurde. Aus gelben Klinkersteinen entstand eine würdige Stätte zur Verehrung der Gottesmutter. Vom grünen Hintergrund des Waldes hebt sie sich für den Besucher schon von weitem deutlich ab. Seit der Fertigstellung hat sie so manchen Vorübergehenden aber auch gezielt Hilfesuchenden zum stillen Gebet angezogen.

Restaurierung

65 Jahre nach der Errichtung wurde die Gedenkstätte durch die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Tüddern e.V. mit finanzieller Unterstützung einiger stiller Spender umfangreich restauriert und am 19. Mai 2024 nach Vollendung der Restaurierungsarbeiten eingesegnet.