„Amen, Amen ich sage Euch: Wer einen aufnimmt, den ich senden werde, nimmt mich auf;
wer aber mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat!“ (Joh 13,20)

Liebe Gemeindemitglieder der GdG St. Servatius,
zwei Herzen schlagen in meiner Brust, wenn ich Ihnen diese Zeilen schreibe:
Auf der einen Seite bin ich nach sechs Jahren und 15 Prüfungen glücklich und erleichtert, dass ich es – mit Gottes Hilfe – endlich geschafft habe und mein Traum wahr geworden ist:
Am 10.06.21 habe ich meine letzte Prüfung bestanden, und somit steht meiner Beauftragung zur Gemeindereferentin im August nichts mehr im Wege.
Auf der anderen Seite hat dies zur Folge, dass Ende August meine dreijährige Berufseinführungsphase im Selfkant endet und ich in eine andere GdG versetzt werde.
Der obige Ausspruch Jesu aus dem Johannesevangelium hat mich durch meine Ausbildungszeit begleitet. Mit der großen Liebe zu Jesus in meinem Herzen, hatte ich stets die Sehnsucht ihn durch meine vielfältige Arbeit in den verschiedensten Aufgabenbereichen und Gemeinden für andere sichtbar und spürbar zu machen.
Viele Gemeindemitglieder haben mich dabei sehr freundlich aufgenommen und es mir leicht gemacht Kontakte zu knüpfen, Erfahrungen zu sammeln und mich beim Lernen wohlwollend unterstützt.
In meinem 1. Assistenzjahr durfte ich in der Westzipfelschule in Schalbruch meine religionspädagogische Ausbildung absolvieren und die Missio, die Lehrbeauftragung als katholische Religionslehrerin erwerben. Die Zeit an der Schule war für mich eine ganz wunderbare Zeit. Das gesamte Lehrerkollegium war mir gegenüber herzlich und liebevoll und die Schüler waren sehr begeisterungsfähig für Jesus. Das war im Unterricht, bei den Kontaktstunden, beim Einüben der Krippenspiele und auch in den Schulgottesdiensten stets spürbar.
Ab dem 2. Assistenzjahr lag der Fokus mehr auf der Gemeindearbeit.
Dabei konnte ich vor allem Erfahrungen im Beerdigungsdienst, in der Trauerbegleitung, in der Trauerpastoral, in der Behindertenseelsorge, bei der Leitung und Organisation der Sternsingeraktion, bei der Seniorenpastoral im Seniorenheim St. Josef, oder auch bei den ganz jungen Gemeindemitgliedern im Kindergarten sammeln bzw. vertiefen. Alle Menschen, die mir dabei begegnet sind, haben mich tief im Herzen berührt und werden mir immer in guter Erinnerung bleiben.
Als meine Kollegin in die Elternzeit ging, durfte ich dazu noch die Leitung der Ehevorbereitung und die Leitung des Familienmesskreises übernehmen. Dies hat mir ebenfalls sehr viel Freude gemacht, weil die Zusammenarbeit mit allen Brautpaaren und Diakon Derichs aus der GdG Heinsberg / Waldfeucht sowie die Vorbereitung und Durchführung der monatlichen Familienmessen mit den Müttern und Kindern des Familienmesskreises zu jeder Zeit harmonisch und wertschätzend war.
Ja, und dann kam Corona …
Ich habe versucht auch während der Lock Downs meine Arbeit so gut wie möglich weiter zu machen.
Beerdigungen eben nur im kleinen Kreis, aber trotzdem mit viel Herzblut und persönlichem Kontakt zu den Angehörigen. Die Verbindung zu den Bewohnern des Seniorenheims dann eben vorübergehend nicht persönlich, aber trotzdem in Verbindung bleibend über Briefe und Karten, oder z.B. die Mithilfe bei der Erstkommunionvorbereitung mittels „Erzähltheater“ per Videokonferenz.
Ich hatte während der „Corona-Beschränkungen“ nie Angst. Ich habe mir, als Seelsorgerin, ein Beispiel an Jesus genommen, der immer für alle da war und zu allen Menschen, die Hilfe brauchten Kontakt gesucht hat. Er ist keinem aus dem Weg gegangen. Er hatte im Vertrauen auf Gott keine Angst! Natürlich war ich dabei nie leichtsinnig, sondern habe stets alle vorgeschriebenen gesetzlichen und kirchlichen Hygienevorschriften befolgt. Aber es ist für mich nie eine Option gewesen, nur „Homeoffice“ zu machen. Ich denke, das kann man als Seelsorger/in auch gar nicht!
Aber Corona ermöglichte ja auch neue Konzepte, wie zum Beispiel die Onlinemessen, die Pfarrer Bohnen ins Leben rief und die ich als Küsterin, Lektorin oder Messdienerin mitfeiern durfte.
In diesem Zusammenhang wurde auch die wöchentliche Kindermesse mit meiner Handpuppe Berti geboren, dem ich seit April 2020 „Leben einhauchen durfte“.
Seitdem „beichtet“ Berti z.B. jede Woche seine Verfehlungen und bittet Jesus im „Herr, erbarme Dich“ um Verzeihung. Es ist immer wieder überwältigend zu sehen, wie viele kleine und große Gottesdienstbesucher jede Woche die Kindermesse besuchen und wie großartig und andächtig die Stimmung dabei ist.
Während Corona sind wir emotional alle enger zusammengerückt. Viele ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter/innen gehörten mehr als ein Jahr lang zur Risikogruppe, daher war das Team derer, die z.B. die Küster-, Technik- oder Ordnerdienstaufgaben während der täglichen Onlinegottesdienste in Süsterseel übernahmen, kleiner geworden und zu einer freundschaftlichen Gemeinschaft zusammengewachsen. Ich durfte Teil dieser Gemeinschaft sein, wofür ich ebenfalls sehr dankbar bin!
Aber ich habe während meiner Assistenzzeit nicht nur Methodenvielfalt oder theologische Inhalte gelernt, sondern mich auch spirituell weiterentwickelt. Besonders Pfarrer Bohnen hat mich hierbei „an die Hand genommen“ und geführt, wofür ich ihm sehr danken möchte. Die Eucharistische Anbetung, der Lobpreis und das 24/7 Gebet haben meine Beziehung zu Jesus gestärkt und intensiviert und meinem Glauben eine tiefere Dimension gegeben. Ich fühle mich sehr beschenkt, wenn ich vor dem Allerheiligsten knien und Jesus anbeten darf. Auch das freie Gebet habe ich im letzten Jahr „gelernt“ und mich mehr und mehr getraut, meinen Glauben und meine Beziehung zu Jesus und zur Gottesmutter Maria öffentlich in Worte zu fassen.
Pfarrer Bohnen hat auch meinen Kontakt zu Marianne Hecker geknüpft und uns den Weg bereitet für „Katholische Frauen – Klasse!“. Mittlerweile ist Marianne eine gute Freundin geworden. Auch dafür bin ich sehr dankbar und für alles, was wir bei den Dreharbeiten erleben und lernen dürfen.
Ein herzliches Dankeschön auch an alle Frauen, Männer und Kinder, die verschiedene Veranstaltungen meinerseits, wie z.B. die Bibliologe, das 24-Stunden Gebet für geistliche Berufungen, die Eucharistischen Anbetungsstunden für Kinder oder die Gestaltung des Fronleichnamsteppichs durch ihren Besuch, ihren Einsatz und ihre Mithilfe unterstützt haben.
Vielen lieben Dank allen, die mir Wohlgesonnen waren!
Vielen lieben Dank auch allen, die mir kritisch gegenüberstanden und die mir offen, konstruktive Kritik entgegengebracht haben, denn nur daraus konnte ich lernen.
Ich bin keine Heilige, sondern auch nur ein Mensch, der – wie alle – Fehler macht und nicht perfekt ist!
Ich habe stets versucht mich mit ganz viel Herzblut und mit Jesus in meinem Herzen in die Gemeinden einzubringen.
Ich liebe Jesus, ich liebe meinen Beruf und die Vielseitigkeit, die er mit sich bringt.
Und daher bin ich dankbar, dass ich in so vielen verschiedenen Aufgabenfeldern Erfahrungen sammeln konnte.
Ich freue mich darauf, die Kindermesse und den Lobpreisabend freitags im Selfkant ehrenamtlich weiter machen zu dürfen.
Jesus hat mich 2018 in die GdG St. Servatius gesendet.
Alle, die mich freundlich aufgenommen haben, haben Jesus aufgenommen.
Und wer Jesus aufnimmt, nimmt den auf, den Jesus gesandt hat.
Mein größter Dank gilt daher meinem Gott!
Danke, dass Du mich durch die Taufe in Deine Gemeinschaft gerufen hast.
Danke, dass Du mich als Seelsorgerin berufen und durch alle Ausbildungsjahre, durch alle Höhen und Tiefen getragen und begleitet hast!
Danke, dass Du mir viele Menschen zur Seite gestellt hast, die mich dabei unterstützt, ermutigt und mit ihrer Liebe zur Seite gestanden haben: allen voran mein Ehemann und meine beiden Söhne, sowie mein geistlicher Begleiter. Danke, guter Gott!
Meine Verabschiedung findet statt in der Hl. Messe in Süsterseel am Sonntag, 29.08.2021
um 18.30 Uhr. Sollte es „Corona-bedingt“ möglich sein, findet nach dem Heilungsgebet und dem Einzelsegen ein kleiner Empfang im Garten von Pfarrer Bohnen statt.
Eine Anmeldung ist wie zu jeder Messe erforderlich.
Ich wünsche Ihnen allen Gottes Segen.

Herzlichst, Sylke Seefeldt